DEL AMITRI; 18.09.2022 – Muffathalle/München

Del Amitri sind eine außergewöhnliche Band. Einerseits natürlich, weil die Schotten seit inzwischen 40 Jahren Musik machen.

Del Amitri

So lange also, dass die erste Single tatsächlich als Flexidisc erschien. Das waren Schallplatten aus biegsamem Plastik, die man Zeitschriften und Fanzines beilegen konnte, mit schauderhaftem Klang. Die ist heute wahrscheinlich ein kleines Vermögen wert. Andererseits haben sich Del Amitri seither immer irgendwelchen gröberen Vermarktungsmaßnahmen verweigert und sind entschieden ihren musikalischen Weg gegangen. Zu einer Zeit, als Punk gerade noch nicht tot und New Wave auf dem Höhepunkt stand, haben Sänger und Bassist Justin Currie und Gitarrist Ian Harvie, ihren poppigen IndieRock entwickelt. Eine gewisse Nähe zur Folk-Gitarre kann man nachhören, die Liebe zu schönen Melodien und nachdenklichen und oft melancholischen Texten und natürlich Curries klare und jederzeit wiedererkennbare Stimme.

Die beiden verbliebenen Urmitglieder haben sich von Anfang an einfach allen Trends der Zeiten quergestellt. Mal war ihre Musik modern, mal war sie out, das war Del Amitri immer egal. Schließlich haben sie genug Fans mit ihrer Musik begeistert. Das war auch nach ihrer Reunion im Jahr 2013 so. Nach einer zehnjährigen Pause, in der sich die Mitglieder eigenen Projekten gewidmet hatten, sind sie wieder aufgetreten. Gelegentlich, wenn es sich ergab, ohne Druck, ohne Zwang. Neues Material sei nicht nötig, befanden sie, die alten Songs seien noch gut genug, außerdem seien neue Tracks wahrscheinlich auch gar nicht das, was die Leute hören wollten.

Im vergangenen Mai dann die Überraschung: Fast 20 Jahre nach der letzten Platte erschien fast aus dem Nichts das siebte Studioalbum „Fatal Mistakes“ und völlig unaufgeregt setzen Del Amitri wieder dort ein, wo sie zwei Dekaden vorher aufgehört hatten. Perfekte Arrangements, feine Melodiebögen, entspanntes Songwriting. Die Texte sind vielleicht ein bisschen dunkler geworden, die Produktion deutlich fetter als zu Anfangstagen. Aber sofort fühlt man sich wieder gut aufgehoben von Musikern, die wissen, was sie wollen. Oder um die Geschichte mit den Worten der Band selbst in lässigem Understatement auf den kleinsten Nenner zu bringen: „So, what is Del Amitri? Some songs and some noises and some stories.“ Im September kommen die Schotten mit alten und tatsächlich auch neuen Songs zu uns auf
Tour.

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