Live Review! Aynsley Lister 11.11. Postbauer-Heng, K.I.S.H.

In Bayern konnte man Aynsley Lister zuletzt im April im mittelfränkischen Roth erleben. Bei den weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannten und renommierten Bluestagen mit internationalen Szene-Größen war der Brite schon mehrmals zu Gast. Noch öfter sorgte er aber bereits in einem kleinen Club in der nur eine halbe Autostunde entfernten Gemeinde Postbauer-Heng in der Oberpfalz für Begeisterung.

Aynsley Lister

Zum sechsten Mal stand Lister im K.I.S.H. (kurz für Kunst im Sportheim) am 11. November auf der Bühne. Ein Heimspiel also, bei dem der Gitarrist und Sänger von den 100 Fans im ausverkauften Haus mit Wohnzimmer-Atmosphäre  wärmsten empfangen wurde. Und seinen fantastischen Song „Home“ vom gleichnamigen Album hatte Lister natürlich im Programm. Neben weiteren Titeln aus diesem Longplayer sowie vom Nachfolger  „Eyes Wide Open“ ging die musikalische Reise mit „Soundman“ aber auch ganz weit zurück zu den Anfängen der Karriere des 46-Jährigen.

„Seit 1999 trete ich jetzt schon in Deutschland auf und ich freue mich immer wieder, hier zu spielen“, so Lister. Zu welch einem Ausnahme-Künstler sich der Gitarrist und Sänger entwickelt hat, stellte er einmal mehr unter Beweis. Wie damals tritt Lister wieder in der klassischen Trio-Besetzung auf, nachdem er in den Jahren dazwischen seine Tourneen ab und an auch mit Unterstützung an den Tasten bestritten hatte. Orgel und Piano spielen bei den Studio-Aufnahmen nach wie vor eine wichtige Rolle, wie auch auf dem neuen Album „Along For The Ride“, das just am heutigen Tag erschienen war, zu hören ist. Live füllt Lister gemeinsam mit seinen Mitstreitern, Drummer Craig Bacon und Jono Martin am Bass, Bühne und Raum auch ganz locker so. Besser kann ein Trio was Sound, Energie und vor allem Dynamik angeht, nicht klingen. Bacons Talent, von druckvollem Rock quasi mit einem Fingerschnippen in ein kaum mehr hör- aber immer spürbar swingendes Schlagzeugspiel zu wechseln, ist schlicht und ergreifend umwerfend. Martins Bass komplettiert nicht nur die Rhythmus-Section perfekt, sondern sorgt immer wieder mit synchronen Läufen zu Listers Gitarre oder auch mit dieser im Dialog für eine melodische Dramaturgie, die einen ganz tief packt.

Der Bassist unterstützt bei vielen Titeln zudem mit einer fulminanten zweiten Gesangs-Stimme. Immer nach dem Motto, oft ist ganz wenig ganz viel. Alle Songs werden auf geniale Art und Weise der Dreier-Besetzung angepasst und bekommen so oft einen ganz eigenen Charakter. Anstelle des Piano-Intros von „Home“ lässt Martin ganz wunderbar seine Saiten schwingen und singen. Und auch die mit Klavier- und sphärischen Keyboard-Sounds wundervoll arrangierte Ballade „Eve, Pt. 1“ vom aktuellen Album überzeugt in der minimalistisch instrumentierten Version auf voller Länge. Was nicht nur an Listers sensationeller Gitarrenarbeit liegt, bei der jeder gespielte aber auch nicht gespielte Ton an der exakt richtigen Stelle sitzt.

Vor allem zeigt sich hier einmal mehr, was für ein gefühlvoller und vielfältiger Sänger in ihm steckt. Und dass gute Musik vor allem am Künstler und nicht am Wert seines Instruments liegt, beweist Lister mit seiner Fingerfertigkeit bei „Cast the Light“ mit leichtem Country-Touch. Mit den Worten „das ist meine 50-Euro-Gitarre“ greift er zur Halb-Akustischen und legt los. Mit „Made Up My Mind“ folgt eine weitere Nummer des neuen Albums, in dem der Jimi Hendrix-Fan der Leidenschaft zu seinem großen Idol freien Lauf lässt. Nach dem in keinem Konzert von Aynsley Lister wegzudenkenden Prince-Cover „Purple Rain“ und einer frenetisch eingeforderten Zugabe ist ein großartiges Konzert, das gerne noch länger hätte dauern dürfen, nach zwei Stunden zu Ende. „Danke, dass Ihr gekommen seid und danke, dass Ihr die Live-Musik unterstützt“, sagt Lister. Der Dank gilt Musikern wie ihm und Betreibern wie dem Verein K.I.S.H., die mit viel Engagement und Leidenschaft solche Abende möglich machen. Mögen noch viele weitere folgen. Denn Listers Blues ist gut für die Seele. 

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