Live-Review! Aynsley Lister & Yasi Hofer 2.4. Roth, Kulturfabrik@Bluestage

Es gibt so Tage im Leben, die gerne mal als Songtext enden. So hat Aynsley Lister zum Beispiel vor vielen Jahren mal seine weniger erfreulichen Erfahrungen mit einem Tontechniker auf einem Konzert in das wundervoll ironische Lied „Soundman“ gegossen. Das gab er auch bei seinem Auftritt bei den 29. Bluestagen im mittelfränkischen Roth zum Besten – natürlich mit dem Hinweis, keiner der anwesenden Techniker am Mischpult möge sich bitte angesprochen fühlen.

Rother Bluestage

Ganz im Gegenteil. Der sympathische Blues-Rocker bedankte sich ausdrücklich bei den Veranstaltern für die gute Betreuung und Hilfe. Denn bis zu seinem Auftritt war sein Tag eher suboptimal verlaufen. Sein geplanter Flug von London nach München wurde gecancelt, weshalb er eine Maschine nach Dresden nehmen musste und etwas verspätet und gestresst in Roth ankam. Ob sein Keyboarder dann beim Konzert fehlte, weil der seinen Flieger gar nicht erwischte, oder ob es dafür einen anderen Grund gab? Ist auch nicht so wichtig. Schließlich hat Aynsley Lister vor über 20 Jahren schon seine ersten Konzerte im Trio bestritten und ist heute mehr denn je in der Lage jede Bühne mit dieser Minimal-Besetzung auszufüllen.

Und das Publikum in der fast bis zum letzten Platz gefüllten Kulturfabrik durfte sich  nicht nur über den mittlerweile vierten Auftritt des Briten bei den Bluestagen freuen. Denn neben frühen Songs wie „Soundman“ und Titeln der beiden letzten Alben „Home“ und „Eyes Wide Open“ gab es auch brandneues Material zu hören, das Mitte des Jahres auf seinem nächsten Album erscheinen wird. Darunter  „Amazing“, bei dem Lister mal wieder unter Beweis stellt, was für ein vielseitiger und auch fantastischer Slide-Gitarrist er ist. Den Song „Made Up My Mind“ widmet er dann mit Jimi Hendrix einem seiner großen Idole. Großartige Cover-Versionen von „Little Wing“ und „Crosstown Traffic“ finden sich ja bereits auf älteren Werken des 45-Jährigen. „Aber ich wollte schon immer mal einen Song  ,Im Stile von…‘ machen“, erklärt er. Eines ist sicher. Jimi Hendrix hätte seine helle Freude an dieser Nummer. Ebenso wie Prince an Listers Version seines Mega-Hits „Purple Rain“, die aus dem Live-Set des Musikers nicht mehr wegzudenken ist. Die setzte denn auch den vorläufigen Schlusspunkt, bevor das begeisterte Publikum Lister, Bassist Jono Martin und Schlagzeuger Craig Bacon für zwei Zugaben zurück auf die Bühne applaudierte.

Ohne Zugabe hatten die begeisterten Gäste zuvor auch schon den ersten Act der Doppel-Headliner-Show nicht ziehen lassen. Denn eröffnet hatte den Abend mit Yasi Hofer eine Musikerin aus Deutschland, die sich zu Recht einen Namen als Ausnahme-Künstlerin erspielt hat. Aber wer bereits mit 14 Jahren die Aufmerksamkeit von Gitarren-Gott Steve Vai auf sich gezogen und mit diesem bereits die Bühne geteilt hat, ist ohnehin über jeden Zweifel erhaben. 25 Jahre später hat Yasi Hofer nicht nur erfolgreich das Berklee College of Music absolviert, sondern auch vier viel beachtete Studio-Alben veröffentlicht. Ebenso beachtlich ist die Leistung ihres Trios live auf der Bühne. Gitarre, Bass und Schlagzeug harmonieren in Perfektion, jeder noch so ausgefuchste Break und Rhythmuswechsel kommt mit einer unglaublichen Lockerheit daher. Und wenn Hofer bei einigen Songs im meist instrumental gehaltenen Programm als Sängerin ans Mikro tritt, ist das was sie abliefert ganz eigen und außergewöhnlich. Dass  die musikalische Bandbreite dabei von klassischen Blues-Riffs über Fusion, Funk, Jazz bis hin zu Heavy-Rock alles zu bieten hat, macht das Ganze umso interessanter.

Absolut fantastisch ist auch, dass bei allen gitarristisch-artistisch-solistischen Ausflügen immer der Song und seine Struktur im Mittelpunkt stehen. Den „Gesangs“-Part übernimmt bei Hofers Instrumental-Nummern halt oft einfach auch die Gitarre. Und so fliegen die eineinhalb Stunden Konzert ebenso schnell davon wie Yasi Hofers Finger übers Griffbrett. Und man kann sich ihrer Aussage nur anschließen. „Schön, dass die Bluestage endlich wieder stattfinden können.“ Hoffen wir alle, dass das in den nächsten Jahren so bleibt und wir bei dieser großartigen Reihe viele solcher Abende erleben können. Und wer weiß. Vielleicht präsentiert Aynsley Lister dann irgendwann mal einen Song, den er über den Tag geschrieben hat, als er 2022 mit einigen Schwierigkeiten nach Roth reisen musste. 

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