Samstagabend, und auf der Trabrennbahn in Bahrenfeld ist kein Durchkommen mehr. Rund 35.000 Leute sind gekommen, um den Hamburger Kultursommer ausklingen zu lassen – und um Kraftklub beim letzten Abend ihrer „Sterben in Karl-Marx-Stadt“-Tour zuzusehen.
Den Anfang macht bei später Nachmittagssonne Shelter Boy mit angenehm entspanntem Indie-Rock. Danach übernehmen Blond, ebenfalls aus Chemnitz, und drehen die Temperatur spürbar hoch. Nina und Lotta Kummer sowie Bassist Johann Bonitz wirken auf der großen Bühne keine Sekunde verloren – im Gegenteil, das Trio hat richtig Spaß, und das überträgt sich sofort.
Um 20:30 Uhr ist es dann so weit. Kraftklub kommen in ihrer gewohnten Uniform-Optik auf die Bühne, und mit dem ersten Ton von „Marlboro Mann“ ist das Publikum weg. Die vorderen Blöcke sind ab da eine einzige Bewegung. Was Kraftklub so gut können: Sie machen aus einem Open Air dieser Größe keine sterile Stadionshow.

Felix Brummer redet mit dem Publikum, nicht zu ihm. Zwischen den Songs sitzen die Ansagen, mal witzig, mal deutlich – politische Haltung gehört bei dieser Band eben zum Set und wird nicht nachträglich draufgeklebt. Musikalisch funktioniert die Mischung nach wie vor: Indie-Gitarren, Sprechgesang, ein paar Punk-Kanten, und dazwischen Refrains, die 35.000 Menschen ohne Aufforderung mitsingen. Ältere Nummern wie „Ich will nicht nach Berlin“ oder „Chemie Chemie Ya“ zünden immer noch wie am ersten Tag, das neue Material hält problemlos mit.
Dann der Moment, mit dem so nicht zu rechnen war: Deichkind kommen als Überraschungsgäste dazu. Bahrenfeld dreht komplett durch. Solche Gastauftritte wirken oft aufgesetzt – hier passt es, weil beide Bands aus der gleichen Ecke kommen, was Energie und Humor angeht. Nach rund zwei Stunden ist Schluss. Kein zäher Ausklang, kein Pflichtprogramm, sondern eine Show, die von der ersten bis zur letzten Minute Druck macht. Kraftklub sind in Hamburg längst keine Gäste mehr. Und die Trabrennbahn hat selten einen so passenden Schlusspunkt gesehen.
Starker Abend, starke Band, starkes Publikum! Bis zum nächsten Mal.
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